Die meisten HR-Teams experimentieren bereits mit KI. Weit weniger haben aus diesen Experimenten konkrete Ergebnisse gemacht.
Auf der AI in HR 2026 stellte Anita Lettink, Future-of-Work-Expertin und Managing Partner bei HRTechRadar.com, ein praxisnahes Playbook vor, das genau diese Lücke schließen soll. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse für HR-Führungskräfte.
Technologie ist der einfache Teil
HR hat sich von Predictive Analytics über Generative KI hin zu agentischer KI entwickelt – Systemen, die Anfragen eigenständig bearbeiten, Datensätze aktualisieren und Daten analysieren können, während Menschen die Leitplanken setzen.
Die Ambitionen sind hoch. Laut Gartner planen 82 % der HR-Führungskräfte, agentische KI innerhalb der nächsten zwölf Monate einzusetzen – gleichzeitig fühlen sich nur 31 % der CHROs darauf vorbereitet, KI in die HR-Arbeit zu integrieren.
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Fünf Prinzipien für Ihre KI-Strategie im HR
1. Gezielt experimentieren, dann skalieren
Benennen Sie für jeden Piloten vor dem Start eine verantwortliche Person und ein konkretes Entscheidungsdatum. An diesem Datum lautet die Entscheidung klar: skalieren, nachbessern oder beenden. Bewerten Sie den Piloten mit derselben Konsequenz wie eine Budgetposition. Definieren Sie außerdem von Anfang an, was Skalierung konkret bedeutet: Welches Team, welche Funktion oder welche Gruppe kommt als nächstes?
Worauf Sie achten sollten: Pilotprojekte, die still und leise dauerhaft werden, weil niemand die Entscheidung trifft, sie zu beenden.
2. Change Management ab Tag eins einplanen
Benennen Sie die verantwortliche Person für die Adoption, bevor Sie entscheiden, wer das Tool verantwortet – und halten Sie diese Person von der Sponsorin oder dem Sponsor des Use Case getrennt. Kommunizieren Sie den Rollout-Plan, bevor das Tool live geht: Was ist es, warum jetzt, und was ändert sich im Arbeitsalltag? Geben Sie skeptischen Mitarbeitenden klare Orientierung und eine Ansprechperson für ihre Bedenken.
Worauf Sie achten sollten: Launch-Umfragen, die fragen „Sind Sie begeistert?" – statt „Vertrauen Sie diesem System?"
3. Auf Datenqualität und Vertrauen aufbauen
Vertrauen in KI beginnt mit sauberen Daten. Fragmentierte Daten führen zu KI, die mit Überzeugung falsche Antworten liefert. Kommunizieren Sie transparent, welche Daten erhoben werden, zu welchem Zweck und wer sie einsehen kann. Mitarbeitende und Betriebsräte müssen nachvollziehen können, warum ein Ergebnis zustande kommt. Sorgen Sie von Beginn an für nachvollziehbare Entscheidungswege, Audit-Trails und Datenschutzmaßnahmen.
Worauf Sie achten sollten: Daten, die ursprünglich für einen Zweck erhoben wurden – etwa für das Mitarbeiterengagement – und ohne Rücksprache für einen anderen Zweck genutzt werden, etwa im Performance Management.
4. Das richtige Tool für die richtige Aufgabe wählen
Bevor Sie auf KI zurückgreifen, fragen Sie sich: Was braucht diese Aufgabe wirklich? Geht es um Urteilsvermögen oder Mustererkennung – oder würde ein einfacher Prozess oder Workflow das Problem lösen? KI eignet sich hervorragend dafür, HR-Anfragen an das richtige Team weiterzuleiten. Eine Urlaubsanfrage, die zur Genehmigung an eine Führungskraft geht, funktioniert als Workflow einwandfrei.
Wenn KI die richtige Wahl ist, gestalten Sie den Prozess konsequent auf das gewünschte Ergebnis hin – statt zu fragen, welche Schritte KI übernehmen kann. Messen Sie den Erfolg an der Passgenauigkeit: Eine Lösung, für die Menschen Umgehungswege suchen, ist kein Erfolg.
Worauf Sie achten sollten: KI als Standard-Antwort, einfach weil sie die aufregendste Option im Raum ist.
5. Governance laufend mitdenken
Setzen Sie auf leichte Leitplanken statt auf Komitees. Halten Sie fest, wer neue KI-Use-Cases genehmigt und wie lange das dauert – und schaffen Sie einen einfachen Weg, um problematische Tools zu melden, etwa bei seltsamen Outputs, Mitarbeiterbeschwerden oder einem plötzlichen Anstieg von Fehlern. Überprüfen Sie quartalsweise Fragen rund um geistiges Eigentum, Datenschutz und Kosten.
Worauf Sie achten sollten: KI-Governance, die nur auf dem Papier existiert – bis das erste Problem auftritt.
Zwei bewusste Entscheidungen treffen
Frontier- oder lokale Modelle? Frontier-Modelle bieten den größten Funktionsumfang und lassen sich am schnellsten pilotieren und skalieren. Sie eignen sich für Aufgaben, bei denen die Daten nicht sensibel sind und die Volumina überschaubar bleiben. Lokale oder Open-Source-Modelle sind technisch einige Monate zurück, aber Sie behalten die volle Kontrolle über die Infrastruktur. Sie sind die richtige Wahl für sensible Daten, hohe Volumina oder alles, was das Unternehmen nicht verlassen sollte. Treffen Sie diese Entscheidung aufgabenbezogen – nicht einmalig für die gesamte Organisation.
Wer macht was? Agentische KI kann Anfragen klassifizieren und weiterleiten, Formulare ausfüllen, Muster in großen Datenmengen erkennen und Führungskräfte dabei unterstützen, ihre Ergebnisse zu verbessern. HR-Fachleute verantworten Ausnahmefälle, Risiken, Sondersituationen und die KI-Aufsicht – sowie alles, was emotionale Intelligenz erfordert: Konflikte, Krankheit, Trauer, Beschwerden. In Anitas Worten: Das Ziel ist kein kopfloses HR.
Ihr nächster Montag
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Prüfen Sie jedes Vendoren-Angebot, das Sie dieses Quartal evaluieren, vor der Unterzeichnung auf Fragen zu geistigem Eigentum, Datenschutz und Kosten.
Sortieren Sie Ihre wichtigsten Schmerzpunkte in zwei Kategorien: „Ein Workflow löst das bereits" und „Hier brauche ich wirklich KI". Investieren Sie zuerst in die zweite Kategorie.
Wählen Sie einen eng begrenzten, hochvolumigen, emotional wenig aufgeladenen Prozess. Ermitteln Sie eine Baseline und pilotieren Sie KI dort, bevor Sie anderswo beginnen.
Entscheiden Sie je Use Case schriftlich, ob Frontier- oder lokales Modell – damit die Wahl nicht stillschweigend bei der nächsten Vertragsverlängerung getroffen wird.
Benennen Sie ab Tag eins eine Person, die verantwortlich für das Change Management ist.
Eine abschließende Frage
Anita ließ das Publikum mit einer Frage zurück, die es wert ist, bei jedem KI-Projekt gestellt zu werden: Gestalten Sie Technologie neu – oder gestalten Sie Arbeit neu?
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